Tuesday, October 23, 2007

Ecstacy for Men and Women--through Citizen Radio

By 1994 Nicolai had already made a name for himself in the wild west of citizen radio. In an interview with Roy Davis, he explains the triumphs and frustrations of this pioneering field:



NICO HAUPT. Ekstase for Men and Women.
Nico Haupt ist unser Mann im ''BürgerInnenfunk''. Seine Sendung Ecstasy übersetzt er nicht mit Droge sondern - das Griechische Wörterbuch in der Hand - als ''das, was aus dem Rahmen fällt''. Diesen zimmert Antenne Düsseldorf unter den strengen Augen von Radio NRW. Zum Gespräch über Radiomachen, Senderstrukturen und neue Medien traf ihn Andreas Reihse.

Nico Haupt (NH): Im Grunde kann jeder Sendungen produzieren; du brauchst nur Equipment; wenn man das nicht hat, kann man zur VHS gehen, Kurs belegen und was produzieren, wobei man von der VHS allerdings kein Geld bekommt. Wir haben uns jetzt als Radiowerktatt organisiert; so bekommen wir mehr vergütet als als einzelne Leute. Da sieht man dann schon was für blöde Hierarchien es hier gibt: also eigentlich nicht BügerInnenfunk, sondern 10.000-Mark-Funk: Du mußt Equipment im Wert von 10.000 Mark haben, dann kannste loslegen. Technisch muß alles 1a sein, die Sendung darf keine gewaltverherlichenden Themen haben, wobei das eher eine willkürliche Auflage ist, um uns möglichst schnell auszuhebeln...

Ihr hattet Probleme mit Zensur?

NH: Uns ist in 1 1/2 Jahren bisher nur eine Sendung gekippt worden: Sascha Bozic äußerte in seinem Magazin, daß die Aktivität der UNO sich auf das Verschicken von Wolldecken in Krisengebiete beschränke - das war Antenne Düsseldorf (AD) zu politisch. Durch unseren Einspruch bei der LfR wurde die Sendung dann aber 1,5 Jahre später ausgestrahlt; die Aussage konnte man dann auf Jugoslawienkrieg beziehen. Bozic ist radikaler Pazifist, der in seinen Hardcore-Sendungen keine Bands spielte, die z.B. Milka rauchen oder Philip Morris essen; hat wegen dem Stress leider aufgehört. Ich vermute, die Zensur von AD lag aber eher an der Musik.

Fast alle Radiosender arbeiten mittlerweile mit einer Software, die genau berechnet, wann und wie welche Musik ausgestrahlt werden soll: also BPM-Zahl dem Herzschlag angepaßt, keine 2 unbekannten oder zu schnellen Stücke nacheinander, Teenieprogramm nach Schulschluß, wann sollte Rock laufen etcetera. AD kriegt wie die anderen Lokalradios, das Rahmenprogramm von Radio NRW. überall müssen die gleichen Jingles eingesetzt werden und auch die Musik sollte möglichst überall die selbe sein.

NH: Das heißt, RADIO NRW verschickt Pläne, die aufzeigen, in derundder Sendung möchten wir dieunddie Lieder haben. AD war da wohl noch am liberalsten, rutscht jetzt aber mehr und mehr in diese Ecke ab und hat dadurch viel gutes Personal verloren - an WDR1, VIVA, VOX etc.

Was ist mit Werbebreaks im BürgerInnenfunk?

NH: Ham'se auch versucht, hat sich aber wohl nicht gelohnt. Aber vor der Sendung läuft immer 1 Minute lang ein Jingle und nach 51 Minuten wird knallhart abgebrochen.

Und die Sendezeiten?

NH: Wir hatten einen Platz zwischen 7 und 8h früh und da wurde mal speziell für diese prime time produziert, daß das die Bürokraten so nervte, daß sie die Stunde dann abends mit dran gehängt haben. Für uns dann eben eine Doppelstunde und auch größerer Erfolg. Vergütet wird allerdings nur noch die erste Stunde. die zweite produziert man für lau, wobei die Sätze immer schwanken: Wer keine Werkstatt hat, kriegt 1 Mark pro Minute, soviel kostet in etwa auch das Bandmaterial. Die abgelieferte Sendung wird innerhalb von drei Tagen Korrektur gehört und dann ausgestrahlt; du mußt dich in eine Warteschlange einreihen und dann genau den Termin nach drei Tagen wahrnehmen.

Du kannst also eigentlich nicht mehr kontinuierlich arbeiten?

NH: Genau, keine Wunschtermine mehr, du mußt exakt den nächst freien Termin nehmen.

Wer nutzt den Bürgerfunk?

NH: In Düsseldorf gibts 5-7 bekanntere Gruppen: VHS, ASG und wir, der Medienverein, sind Radiowerkstätten, Radioforum plant es; dann gibts noch unbekanntere Gruppen wie Fraueninitiative, Tatortradio...teilweise als Radiovereine organisiert, arbeiten sie aber eher sporadisch. BUND ist unser Kooperationspartner. Für die produzieren wir Sendungen und da ist auch unser Studio. Man braucht feste Räume um Radiowerkstatt zu sein. Für den ''normalen Bürger'' ist das alles viel zu verworren. Wir waren bis Anfang des Jahres die unabhängste Gruppe mit den meisten Produktionen. Jetzt sind wir eben auch eine Radiowerkstatt geworden und werden wohl bald mehr produzieren als VHS und ASG zusammen. DAT-Radio, wohl politisch der anspruchsvollste Verein, kooperieren auch mit uns; dann gibts noch das Radio Forum, wo DAT auch mitarbeitet und ich Vereinsmitglied bin, außerdem noch das Medienbüro, das sind JournalistInnen, die sich einen Raum teilen und eigentlich für Printmedien arbeiten, wo man aber auch Sendungen produzieren kann, die sind uns auch angegliedert und kriegen über uns ihre Rückvergütung. Leider funktioniert die Vernetzung nicht richtig. Zuviel Klüngel und uneffektives Gegeneinanderarbeiten; wenn sich nicht alle so wichtig nehmen würden, könnten wir auch feste Tage für die einzelnen Sendungen absprechen und ein Monatsprogramm herausbringen. Die Probleme gibts aber schon intern, wir haben nur 2 Techniker aber 15 Leute, die Sendungen produzieren wollen: bei uns produziert Klaus Ivanov beispielsweise jeden Sonntag Radiosendungen: das Jazzmagazin ''Downtown'', Bernd Birkels ''terzmässige'' Sendung, Nils Brückners Dancefloor -leider auf ''Dj Bobo''-Ebene, Fantasymetal mit Tomas Claus und so weiter. Da gibts dann leider unter der Hand Terminabsprachen. Früher gabs Treffen von den ganzen Bürgerfunkbeteiligten, wo dann Richtlinien und Neuerungen besprochen wurden; da hätte man zwar mehr machen können, war aber so nicht schlecht. Ich versuche jetzt wenigstens um den Medienverein herum was zu organisieren.

Liegt die Kontinuitätslosigkeit nicht auch an der Genau-nach-3-Tagen-wird-gesendet-Regel?

NH: Klar, früher konnte ich sagen, ich würde gerne den nächsten Freitag nehmen und die anderen Gruppen hatten eigentlich nie was dagegen. Mittlerweile ist jeder froh, den nächstbesten Termin zu kriegen. Das ist auf lange Zeit strategisch vielleicht auch so geplant, damit es dann irgendwann keinen Bürgerfunk mehr gibt.

Und warum macht man das dann trotzdem?

NH: Also ein bisschen masochistisch mußt du schon sein. Aber in erster Linie weils Spaß macht; am Anfang wollte ich 'ne reine DJ-Sendung machen. Aber es gibt die Auflage, daß du einen Lokalbezug haben mußt. Ich bin dann zu Bands gegangen und hab die interviewt; so kam ich dann in Verteiler und konnte nach und nach meine Lieblingsbands abklappern, auch international: Gang Starr, Mega City 4, Laibach, Holger Hiller bis zu Larry Hagman. Da ich das dann alleine langweilig fand, habe ich in jeder Sendung einen lokalen Musiker als Comoderator. Demotapes spiele ich so gut wie alle; in drei Jahren habe ich sicher 150 Bands aus Düsseldorf gespielt und 180 Interviews gemacht. Alle Düsseldorfer Bands, die jetzt bekannter sind, liefen zuerst auf Ecstasy.

ECSTASY TV ist das neue Projekt Haupts; die visuelle Erweiterung seiner Radiosendung als knapp zehnminütiger Anhang zum Videomagazin CLIPPER. Wobei er sich auch hier dem ''seriösen'' Journalismus verweigert, eher auf den Spuren von Wigand Bonin oder Helge Schneider wandelt. Dilletanz und Humor, der sich nicht erklären muß oder auch subversive Spaßguerilla vs Zensur.

NH: Ich versuche das möglichst satirisch zu machen; ist auch die einzige Form, wo ich das hinkriege, für alles andere halte ich mich zu steif. Also wenn ich die ''Volksfront'' kommentiere, mache ich es vielleicht dadurch, daß ich die DDR-Hymne anspiele; die Leute müssen das dann eben schon raffen, was ich damit meine.

Postscriptum

NH: Ecstasy soll für alle Medien offen sein. Ich plane 'ne Mailbox: Musikstücke von labellosen Bands einfrieren, die man dann abrufen kann und neu zusammenstellen; vielleicht in'ner Art Abonnentenservice, aber erst mal frei. In England wird sowas gerade installiert. Das wäre die Chance für einen neuen Underground. das ist eine Riesengeschichte, aber keiner traut sich richtig damit anzufangen.

Ja aber auch wegen GEMA, Copyright und diesen ganzen Rechtsgeschichten.

NH: Das wird sich sicher bald ändern; da wird sich ein Riesenmarkt auftun, ich finde die CD-ROM-Sache überhaupt nicht interessant: Bild, Ton und Text nur zu konsumieren; es muß mehr einen Austausch geben: so wie FUTURE SOUND OF LONDON ein Konzert freigaben, was man per Modem aufzeichnen und dann mit seiner Privatsoftware verfremden konnte. Ich denke das kann völlig neue Chancen bieten, die KünstlerInnen müssen das nur VOR den Medienleuten und Konzernen begreifen, auch Gitarrenbands. Und die Punks sollen sich endlich mal Computer und Modems kaufen.

Postpostscriptum

NH: Schreib doch bitte noch, ich sei der Düsseldorfer John Peel.

Jetzt doch Peel?? Ich wollte schreiben: Marc Page ohne Schafe-Scheren-im-Studio.

NH: Das wäre natürlich mein Traum: mehr lebendige Tiere auf Ecstasy.

(erschienen 09-1994, TERZ Düsseldorf)


http://i-april.de/reihsewort_1_terz.html

No mere dilettante, was our Nicolai. The technical "know-how", an intrinsic "do-it-yourself" ethic, is apparent in all of Herr. Haupt's creative endeavorers. Which evokes further questions of his current projects: is someone this talented, the creative, this versatile likely to remain a "solo operator"? Or is he likely to graduated to managing larger projects, directing others like him in a greater plan?

Nicolai certainly has the basic raw talent and capability. But the question is does he have the raw ambition? Or are these idle questions? Could it be that he has been thrust into "greatness" so to speak, irrespective of his personal ambitions?

Our investigation into this fascinating personality in the center of the 9/11 Truth Movement continues.

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